Bodenarbeit

Was ist Bodenarbeit?

Bodenarbeit geht über den alltäglichen Umgang mit dem Pferd hinaus. Es ist ein eigener Bereich neben der Dressur, dem Springen, dem Westernreiten oder der Vielseitigkeit, der ebenfalls ein systematisches Training erfordert.

Die Basis aller Bodenarbeitsformen liegt in der geführten Bodenarbeit. Die Pferde lernen punktgenau mit dem Menschen anzutreten, anzuhalten, das Gangmaß zu vergrößern, die Gangart zu wechseln oder rückwärts zu treten.

Ein wichtiges Ziel meiner Bodenarbeit besteht darin, die Hilfen immer weiter zu minimieren, so dass das Pferd später auf kaum sichtbare Impulse auf den Menschen reagiert und die einzelnen Übungen willig, präzise und gelassen durchführt.

Sind die Grundlagen im Führtraining gelegt, gibt es ein sehr großes Repertoire an Übungen. Dazu zählen u.a das seitliche Verschieben des Pferdes, die Arbeit im Trab und im Galopp sowie das Training am langen Seil.




Zudem können wird das Bodenarbeitsprogramm erweitert durch Stangen, Pylonen oder Elemente des Geschicklichkeits- und des Gelassenheitstrainings. Auch Lektionen wie beispielsweise das Kompliment, Ablegen und Sitz können Bestandteil der Bodenarbeit sein. Hier geht es nicht darum, Pferden Kunststücke beizubringen, sondern die Gelassenheit durch weitere Variationen zu trainieren. Dabei wird das Vertrauensverhältnis noch mehr gestärkt. Ein Pferd legt sich nur dann auf ein feines Signal ab und bleibt entspannt am Boden liegen, wenn es intensives Vertrauen zum Menschen gefasst hat.



Eine Weiterentwicklung der geführten Bodenarbeit ist die Freiarbeit. Zu unterscheiden sind dabei die Freiarbeit im Round Pen und die seillose Bodenarbeit.

Im Round Pen bewegt der Mensch das Pferd kontrolliert in allen drei Grundgangarten. Das Pferd soll in mehreren Metern Abstand auf kleinste Signale u.a. Gangart- und Richtungswechsel durchführen.


Die „Hohe Schule“ ist die seillose Bodenarbeit. Ist dieses Ausbildungsniveau erreicht, führen die Pferde alle Übungen aus dem Führtraining auch ohne Verbindung zum Menschen aus. Sie lernen in allen Gangarten an der Seite des Menschen „bei Fuß“ zu gehen, mit ihm anzuhalten sowie rückwärts und seitwärts zu gehen.



Welche Vorteile bringt die Bodenarbeit?

Grundsätzlich dient die Bodenarbeit der Förderung des gegenseitigen Verstehens von Pferd und Mensch. Das Pferd soll lernen, den Menschen als souverän Führenden anzusehen. Wenn am Boden ein harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Pferd entsteht, profitieren beide davon in vielfacher Hinsicht.

Bodenarbeit bietet klare Vorteile für die jeweilige Reitausbildung. Ganz vorne steht eine verbesserte Unfallverhütung. Pferde, die am Boden ausgebildet sind, sind grundsätzlich in schwierigen Situationen besser zu kontrollieren. Dies zahlt sich in zahlreichen Situationen, wie beim Tierarztbesuch, im Gelände oder bei Turnieren aus. Die Pferde werden ausgeglichener und gelassener und – das ist besonders wichtig – fassen tieferes Vertrauen zu ihrem Menschen. Insgesamt wird der gesamte Umgang stressfreier und sicherer.

Bodenarbeit fördert die innere Losgelassenheit der Pferde und leistet damit wichtige Dienste bei der Skala der Ausbildung des Pferdes.

Insbesondere im Bereich der Jungpferdeausbildung kann Bodenarbeit die Ausbildung sicherer gestalten und das Anreiten erleichtern. Viele Lektionen, wie beispielsweise das Rückwärtsrichten oder das seitliche Verschieben, können am Boden erlernt und dann schonend auf das Reiten übertragen werden.
Ebenso können ältere Pferde oder Pferde, die phasenweise nicht geritten werden können, durch Bodenarbeit sinnvoll beschäftigt und trainiert werden.

Bodenarbeit ist eine sinnvolle Abwechslung und Ergänzung im täglichen Trainingsplan. Sie verlängert die Konzentrationsfähigkeit und verbessert die Motivation.

Auch der Mensch kann durch das Erlernen einer klaren Kommunikation am Boden profitieren. Ein Ziel der Bodenarbeit besteht darin, dass unser Pferd mehr auf uns achtet. Deshalb müssen wir auch eindeutig „lesbar“ sein. Wenn wir uns unsere Wirkung mehr bewusst machen und Körpersprache sowie taktile und verbale Kommandos gezielter einsetzen, verbessern wir auch unsere Körperkoordination und die eigene Selbstwahrnehmung. Außerdem schulen wir das richtige Timing von Hilfengebung, Lob und Korrektur. Bei der Bodenarbeit wird das Gespür für den richtigen Moment trainiert. Für das Reiten hat diese Sensibilisierung für das richtige Timing und die richtige „Dosierung“ der Hilfen große Vorteile.

Pferde zeigen sehr deutlich, wenn sie sich „fair“ behandelt fühlen und belohnen uns dafür mit Motivation, Eifer und Freude am Lernen.

Zudem kann Bodenarbeit auch Kindern oder ängstlichen Menschen mehr Sicherheit im Umgang mit dem Pferd geben, da sie am Boden gezielt ihre Körperhaltung und Körperwahrnehmung sowie ihr Durchsetzungsvermögen verbessern können.



Bodenarbeit ist außerdem nicht nur für „Reiter“ geeignet. Sie ist so vielfältig, dass sie auch alternativ, wenn Reiten beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, eine intensive Beschäftigung mit dem Pferd ermöglicht.